Dienstag, 17. Juli 2012

Tag 11: Merida und Nationalpark von Celestun

Mérida - die Hauptstadt von Yucatán

Schon die Maya unterhielten am Standort des heutigen Mérida eine Siedlung und Zeremonialzentrum mit Tempelpyramiden. Nach dem Eindringen der Spanier auf der Halbinsel Yucatán, wurden die Maya-Bauwerke zu einem Kloster und später zur Festung San Benito umgebaut. 


Mérida heute

Mérida, die weisse Stadt, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. Die weissgetünchten Häuser und traditionell weiss gekleidete Einwohner verhalfen der Stadt zu diesem schmeichelhaften Beinamen. Trotz der Bevölkerungsgrösse von gegen einer Million, strahlt Mérida eine angenehme Ruhe aus und hat eine gewisse kleinstädtische Herzlichkeit beibehalten. 


Plaza Grande und das Zentrum

Ein kolonialer Charme beherrscht das Zentrum, mit der Plaza de la Independencia oder auch Plaza Grande genannt, als Mittelpunkt. Hier wimmelt es nur so von Leuten, welche gemächlich durch die Alleen der riesigen Lorbeerbäume spazieren, sich auf den Parkbänken zu eine Schwätzchen treffen oder in den einladenden Cafés einen Kaffee trinken. In einer täglichen Zeremonie wird die mexikanische Flagge stolz gehisst und abends wieder eingeholt.

Mit den Steinen eines ehemaligen Mayatempels erbauten die Spanier die hübsche, doppeltürmige Kathedrale Catedral de San Ildefonso. An der Westseite der Plaza Grande befindet sich der weisse Palacio Municipal (Rathaus) und nördlich dann der Palacio de Gobierno (Gouverneurspalast) mit seinen sehenswerten Wandgemälden im Innenhof. Ebenfalls seitlich angeordnet liegt die architektonisch bemerkenswerte Casa de Montejo, das Haus des Stadtgründers, welches jetzt eine Bankfiliale beherbergt. 


Kulturstadt Mérida

Rund um die Plaza de la Independencia findet jeweils sonntags das kulturelle Strassenfest "Mérida en Domingo" statt, mit musikalischen sowie weiteren künstlerischen Darbietungen. An Strassenständen wird feinstes mexikanisches Essen angeboten, mit den für Yucatán typischen Tamales (Maisteig mit Füllung, eingewickelt in Pflanzenblätter), Elotes (Maiskolben) und Churros (längliches, frittiertes Süssgebäck). Einen guten Ruf geniesst zudem der Karneval von Mérida, welcher im Februar die ganze Stadt in einen Ausnahmezustand katapultiert. 


Biosphärenreservat Celestún

Die Hauptattraktion dieser Region am Golf von Mexiko ist das Naturschutzgebiet "Reserva de la Biósfera Ría Celestún". Das Biosphärenreservat umfasst Flussmündungen, Lagunen und einen langgezogener Korridor umgeben von Mangrovenwäldern. Die immergrünen Pflanzen können sich trotz Salzwasser prächtig entwickeln, da die Blätter das überschüssige Salz wieder ausscheiden können. Die Büsche und Bäume sind durch eine stattliche Anzahl Wurzeln verankert und ineinander geflochten.

Das fragile Ökosystem ist Heimat für eine Vielfalt von Tierarten, insbesondere Wasservögel, deswegen wurde ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung dieses Lebensraumes gelegt. In der sumpfigen Lagunen- und Mangrovenlandschaft wimmelt es von Kormoranen, Pelikanen, Fregattvögel, Reiher. Dazu die Stars unter der Vogelschaar: die Flamingos. 


Bootstour

Das Biosphärenreservat von Celestún erlebt man am besten auf einer etwa zweistündigen Bootstour. Gleich bei der Brücke, auf der Seite der Ortschaft, befindet sich die Anlegestelle der Boote. Die Rundfahrt mit unserem Kapitän José ging zuerst gemütlich dem Ufer entlang, um die verschiedensten Wasservögel beobachten zu können. Dann holte der Kapitän das Maximum aus seinen Motoren heraus, um zur "Isla de Pájaros", der Vogelinsel zu gelangen. Obwohl wir still und leise die letzten Meter heran glitten, raschelte es plötzlich und Dutzende von Pelikanen erhoben sich gegen den Himmel. Dann fuhren wir weiter die Flussmündung hoch. Von weitem erkannten wir eine Art rosaroten Teppich auf dem Wasser, was sich natürlich als Flamingo-Kolonie herausstellte. Diese waren weniger heikel und liessen uns in nächster Nähe in unserem Boot schaukeln und fotografieren, während sie ihre Nahrungssuche fortsetzen. 


Rosarote Flamingos

Die beste Reisezeit um Flamingos zu sehen, ist von März bis September, mit Tausenden der rosaroten Tieren. Doch auch in den anderen Monaten können durchaus stattliche Flamingo-Kolonien beobachtet werden. Die tollpatschig und gebrechlich wirkenden Vögel stolzieren im seichten Wasser umher auf Nahrungssuche. Übrigens ist das Gefieder der Flamingos ursprünglich weiss. Erst durch die Einnahme von kleinen Krebsen, welche den Farbstoff Karotinoide enthalten, erhalten die Flamingos die typisch rosarote Färbung. 


Tierwelt Celestún

José erlaubte sich danach ein nicht ungefährliches Manöver. Er raste mit voller Geschwindigkeit auf das scheinbar undurchdringliche Mangrovendickicht zu, um dann in letzter Sekunde durch das Herumreissen des Steuerknüppels in eine Art Tunnel einzubiegen. Sofort wurden die Motoren wieder gedrosselt und wir glitten gemächlich durch eine Baumallee. Die Mangrovenbüsche formten ein heilloses Durcheinander von Wurzeln, Ästen und Wasser. Besonders die Reiher schienen sich hier sehr wohl zu fühlen. Der eint oder andere Schildkröte rettete sich von ihrem Sonnenplatz vor uns ins Wasser. Auf tiefliegenden Ästen verharrten drei junge Krokodile fast unsichtbar, welche wir nur dank Josés aufmerksamen Augen zu sehen bekamen. Wo wohl die Mutter Krokodil sich herumtrieb? Das Highlight war dann jedoch ein anderes Reptil: eine Boa sass zusammengerollt fast in Greifnähe auf einem Baumstamm. José war sichtlich stolz uns die stattliche Schlange präsentieren zu können, wir hätten jedoch trotz idealer Sicht fürs Fotografieren gerne etwas mehr Sicherheitsabstand genommen. 


Süsswasserquelle "Ojo de Agua"

Die letzte Station der Bootstour war die Süsswasserquelle "Ojo de Agua". Aus dem Untergrund blubberte tatsächlich frisches Quellwasser in eine kleine, glasklare Lagune. José meinte, dies sei ideal zum Baden. Doch nach der Begegnung mit der Boa und den Krokodilen liessen wir das bleiben.












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