Freitag, 13. Juli 2012

Tag 7: Sumidero Canyon und Totenkult Stadt San Juàn Chamula

Spektakulärer Felsspalt

Die über 1000 m tiefe und 25 km lange Sumidero Schlucht ist ein beliebtes Reiseziel und eine der Hauptattraktionen im Bundesstaat Chiapas. Das Naturwunder, welches der mächtige Rio Grijalva in den Fels gegraben hat, war nicht umsonst in der Auswahl der neuen 7 Weltwunder der Natur, hat dann aber den Finaleinzug verpasst. Die Schlucht ist als Nationalpark Cañón del Sumidero geschützt.


Erkundungstour mit dem Boot

Kleine Schnellboote preschen auf dem Wasserweg zwischen den mächtigen, von grüner Vegetation überwucherten Felswänden durch die Schlucht. Unterwegs sieht man einige Wasserfälle, darunter den "Arbol de Navidad", dessen Felsformationen an einen Weihnachtsbaum erinnern. Die Tierwelt ist durch die zahlreichen wild umherfliegenden Vögeln vertreten. Mit etwas Glück kann man sogar Krokodile beobachten. Je nach Bootsmann navigiert er die Besucher noch durch eine kleine Wasserhöhle. Die Tour endet kurz vor dem Chicoasén Staudamm, eine der weltweit höchsten Talsperren mit einem der wichtigsten Wasserkraftwerke in Mexiko. Von hier fährt man wieder zurück und geniesst die eindrücklichen Dimensionen des Sumidero Canyon.


San Juàn Chamula

San Juan Chamula ist ein Tzotzildorf in der Nähe von San Cristobal de las Casas. Sonntags wird vor der Dorfkirche ein ziemlich bunter Markt abgehalten. Angeboten werden neben Lebensmitteln auch traditionelle Textilien, Korbwaren und Souvenirs.Die Religion in Chamula ist eine eigene Vermischung aus Mayareligionen und dem Christentum. Das ist in dieser Weltgegend eigentlich nichts besonderes, in Chamula allerdings ist die alte Religion weit ausgeprägter vorhanden als an anderen Orten. In der Glaubenswelt der Chamulaner ist Johannes der Täufer der wichtigste Heilige, noch wichtiger als Jesus. Schließlich hat er Jesus getauft. Taufe ist auch das einzige christliche Sakrament, das die Leute aus Chamula anerkennen. Johannes hat aber einst auch das Hochtal, in dem Chamula liegt, trockengelegt und damit die Besiedelung erst ermöglicht.

Die kleine Dorfkirche San Juan Bautista wurde schon 1524 erbaut und ist natürlich dem Täufer gewidmet. Sie fällt von außen nicht weiter auf. Wenn man sie betritt, findet man sich aber in einer sehr fremden Welt wieder. An den Wänden hängen Glaskästen mit Heiligen. Es gibt aber keine Sitzbänke, keine Orgel und auch keinen Pfarrer. Die Leute hocken auf dem Boden, alles ist mit Piniennadeln ausgelegt. Viele tausend Kerzen brennen. Schamanen murmeln Gebete, dicke Schwaden von Weihrauch und Kopal hängen in der Luft, manchmal wird auch ein Huhn geopfert. Um den Kontakt zu den Heiligen herzustellen wird Cola getrunken. Es hat den Zweck, dass man Rülpsen muss und damit entweichen böse Geister aus dem Körper.

In der Kirche herrscht striktes Fotografierverbot, weil Kameras dem Ort die Heiligkeit nehmen. Auch die individuelle Energie eines Menschen kann durch Fotografieren geschwächt werden, weshalb man keinesfalls Personen fotografieren darf. Viele sind sicher auch einfach genervt, jeden Tag von Horden von Touristen abgelichtet zu werden.

Das Verbot ist unbedingt zu respektieren. Bei Zuwiderhandlung wird hart durchgegriffen. Lokale Ordnungshüter entnehmen die Filmrolle oder die Speicherkarte, manchmal zerstören sie sogar die Kamera. In besonders krassen Fällen soll es schon vorgekommen sein, dass ein Tourist die Nacht im Dorfknast verbracht hat.

Eine Polizei gibt es nicht. Es wird sowohl vom Bund, als auch von der Landesregierung akzeptiert, dass in Chamula eigene Gesetze gelten. Die Autoritäten werden gewählt (nur Männer dürfen wählen) und vom Staat bezahlt. Das System ist recht erfolgreich. Kriminalität gibt es kaum. Die EZLN konnte hier nicht Fuß fassen. Die Autoritäten vereinen religiöse und weltliche Macht, besonders erbarmungslos sind sie gegenüber Konvertiten. Wer sich einer der seit Jahren in Mexiko so erfolgreichen Sekten anschließt, muss das Dorf verlassen.

Die Kirche San Sebastian steht in Ruinen. Sie liegt etwa 400 m südwestlich des Zentrums. Sie ist einst abgebrannt, nachdem sie von einem Blitz getroffen wurde. Das Betreten der Ruine soll Unglück bringen, weil böse Geister in ihr hausen. Bei der Ruine ist auch der Friedhof. Die Kreuze sind keine christlichen Symbole. Sie waren in der Mayakultur schon lange vor der Kolonialisierung verankert und stellen den Weltenbaum der Maya (Wacah Chan) dar.














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