Samstag, 14. Juli 2012

Tag 8:San Cristóbal de las Casas

Kolonialstadt im Hochland von Chiapas

Hoch im Nebelwald von Chiapas, auf fast 2'000 m über Meer, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, liegt die alte Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas. Seit etwa 500 Jahre verfolgt es sein eigenes Schicksal, isoliert von der Welt wie auf einem anderen Planeten. Einerseits sieht man weiss getünchte Gebäude mit den vorstehenden, roten Ziegeldächern, andererseits die farbenfroh renovierten Fassaden der Kolonialhäuser und mit Blumen geschmückte Innenhöfe. Schmale, gepflasterten Strassen durchkreuzen die Stadt. Durch die Jahrhunderte hat San Cristóbal sein unverwechselbares koloniales Ambiente beibehalten und ist trotz seiner relativen Grösse mit gegen 250'000 Bewohnern eine kleine verschlafene Stadt geblieben, mit einer äusserst reizvollen Atmosphäre.


Das indigene Mexiko

Es gibt in San Cristóbal wie drei parallele, co-existierende Städte. Einerseits die touristische Seite, der offensichtliche Charme der Stadt wirkt wie ein Magnet auf Reisende aus aller Welt. Dann die Monotonie des Alltags der Stadtbewohner und andererseits die verheerende Armut der indigenen Bewohner in den Aussenbezirken und den umliegenden Gemeinden.

Das indigene Mexiko ist im Hochland von Chiapas besonders tief verwurzelt, eine Mischung von kolonialer Vergangenheit und indigener Gegenwart. San Cristóbal de las Casas ist mehr als nur ein Ort und seine angepriesenen Sehenswürdigkeiten. Vor allem sind es die Leute, welche das Stadtbild prägen. Die indianischen Frauen, die in den Strassen barfuss gehen und an den Strassenecken handgefertigte Puppen und geröstete Erdnüsse feilbieten. Die alten Männer mit weissen Hosen, Guayabera (Leinenhemd) und Gummi-Reifen Sandalen bekleidet, die in gebückter Haltung enorme Lasten auf den arg gebeutelten Rücken schleppen. Die Maya-Kinder, die bettelnd die Touristen belagern und versuchen Kaugummis gegen eine freiwillige Spende zu verschenken oder auf dem Bürgersteig auf einem Tuch Packungen von Bohnen oder Früchten verkaufen, um das Einkommen ihrer Familien aufzubessern.


Subcomandante Marcos und die Zapatisten des EZLN

San Cristóbal de las Casas rückte 1994 plötzlich ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, als der legendäre Subcomandante Marcos und seine indianische Befreiungsarmee der Zapatisten (EZLN, Ejército Zapatista de Liberación Nacional) kurzzeitig die Stadt besetzte. Sie wollten damit ein Zeichen setzen gegen die Armut und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch die Grossgrundbesitzer und die politischen Profiteure der regierenden PRI Partei. Obwohl die soziale Ungleichheit der Region national und international bekannt gemacht wurde, ist Chiapas immer noch der ärmste Bundesstaat in Mexiko.











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