Sonntag, 16. Juli 2017

Captain's Dinner on board of the paddle wheel steamer Hohentwiel

Das königliche Dampfschiff. Seit 1913 

Der wahrscheinlich schönste historische Raddampfer des gesamten Kontinents fährt mit strahlend weißen Markisen, poliertem Messing und reflektierendem Mahagoni sowie mit Teakholz- und Kirschholzbeschlägen über den drittgrößten Binnensee Mitteleuropas. Die Fachpresse hat es als "Europas am besten restauriertes Dampfschiff" bezeichnet und es symbolisiert zweifellos die Handwerkskunst eines längst vergessenen Zeitalters. Jedes Detail zeigt Meisterwerke des Jugendstils. Alles an Bord der Hohentwiel verschmilzt zu einem authentischen Ganzen. Die absolut originalgetreue Restaurierung erinnert an die glorreiche Blütezeit des Dampfschiffs als luxuriöser Raddampfer für gekrönte Staatsoberhäupter.

Am 11. Jänner 1913 lief die Hohentwiel als das siebte Dampfschiff der Königlich Würtembergischen Staatsbahnen vom Stapel. Benannt nach der gleichnamigen Festung und dem Vulkankegel Hohentwiel bei Singen, bediente der Halbsalondampfer ab Mai 1913 vom Heimathafen Friedrichshafen aus vor allem die Kurse im Bodensee-Längsverkehr. Das Publikum liebte sie und bald zählte die Hohentwiel zu den prominentesten Schiffen auf dem Bodensee. Graf Zeppelin feierte auf ihr seinen Geburtstag und Wilhelm II. von Württemberg lud den König von Sachsen zur schönen Ausflugsfahrt.

Im zweiten Weltkrieg wurden nur noch wenige Schiffskurse auf dem Bodensee ab Friedrichshafen aufrechterhalten. In der Nacht des 24. April 1944 wurde Friedrichshafen, der ehemalige Heimathafen der Hohentwiel, bombardiert und versank in Schutt und Asche. An diesem Tag war die Hohentwiel gerade im Begriff in Konstanz mit Kurs auf Friedrichshafen auszulaufen, als sie durch eine Warnung zurückgehalten wurde. Das Schwesternschiff der Hohentwiel, die Friedrichshafen, wurde in dieser Nacht komplett zerstört. Am Ende des Krieges gab es nur noch ein Dampfschiff in Friedrichshafen, die Hohentwiel.  

Nach turbulenten Jahrzenten ging sie vor Anker und diente ab 1962 dem Bregenzer Segelclub als Restaurant und Clubheim. Zu Beginn der achtziger Jahre schien das Schicksal der Hohentwiel endgültig besiegelt, doch im letzten Augenblick wurde sie gerettet. Im Jahr 1984 erwarb der Verein „Internationales–Bodenseeschifffahrtsmuseum e.V.“ den mittlerweile renovierungsbedürftigen Dampfer. Durch Spenden, den Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder und freiwilliger Helfer, gelang es Altlandrat Klaus Henninger aus Lindau und Schiffsingenieur Reinhard e. Kloser, die Hohentwiel wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Modernste Technik und historische Substanz wurden vereint, jedes Detail perfekt restauriert. Nach sechs Jahren unermüdlicher Recherche- und Restaurierungsarbeit, konnte die Hohentwiel am 17. Mai 1990 erneut zur Jungfernfahrt auslaufen. Wer heute mit der Hohentwiel ausfährt , bewegt sich in einer anderen Zeit und darf für Stunden dem Rest der Welt getrost den Rücken kehren. Mit ihren eleganten Linien verkörpert die Hohentwiel wie kaum ein anderes historisches Schiff die große funktionale und ästhetische Qualität ihrer Zeit. Beiboote, in traditioneller Technik aus Mahagoni gefertigt, blank geputzte Positionslaternen, Bronzereliefs mit dem würtembergischen Wappen, die erlesene Innenausstattung - alles vermittelt die unvergleichlich vornehme Atmosphäre der Belle Époque. Man kann sich kaum einen schöneren Ort wünschen, um das Leben mit Freunden in voller Fahrt zu genießen.