Samstag, 16. Februar 2019

Zeppelin Dinner Teil 3. Fahrt ins westliche Mittelmeer (25. bis 28. März 1929) der Graf Zeppelin

Die Orientfahrt hatte so grossen Anklang gefunden, das bereits vie Wochen später eine weitere Vergnügungsfahrt unternommen wurde. Dieses Mal sollte das westliche Mittelmeer erkundet werden.

Galt es doch, nicht nur den Passagieren die Schönheit Europas von Bord des Zeppelin zu zeigen, sondern auch den Nachbarländern das neue Luftschiff vorzuführen, um so Werbung für die Luftschiffahrt zu machen.

Mit 19 Passagieren an Board startete Graf Zeppelin am Dienstag, den 23. April um 13.32 Uhr zu der zweieinhalbtägigen Fahrt rund um die Iberische Halbinsel.

"Es herrschte trübes Wetter als wir uns nach Tisch zur Halle begaben, un im Stillen hegte man den Wunsch, die Fhart möchte verschoben werden. Aber Dr. Eckener hatte doch den besseren Riecher; 1.30h begab sich an Board, und damit war der Befehl zum Start gegeben. Während der Ausfahrt aus der Halle brach wue auf Befehl die Sonne durch und stärkte damit die Hoffnung eine glanzvolle Fahrt"

So begann Max Schirmer, der bereits bei der Orientfahrt mit von der Partie war, seinen Reisebericht. Über Konstanz, Schaffhausen, Waldshut un Basel ging es nach Frankreich, das mit westlichem Kurs überquesrt wurde. Abends gegen 9.00 Uhr stand das Luftschiff bereits über Bordeaux, und eine halbe Stnde später erreichte es den wegen seiner Stürme berüchtigten Golf von Biscaya.
In der Nacht verschlechtete sich das Wetter. Das Schiff hatte mit starken Regenschauern und heftigen Seitenwinden zu kämpfen, dann wurde es zu allem Überfluss auch noch nebelig. Doch am Morgen klärte der Himmel auf und es herrschte strahlender Sonnenschein.

Um 10.30 Uhr kam der erste Höhepunkt der Fahrt in Sicht: Lissabon, die Hauptstadt von Portugal an der Mündung des Tejo, breitete sich vor den Augen der Passagiere aus.

"Hunderte von Schiffen in allen Grössen... liegen an den Kais und löschen Ladungen. Ein fürchterliches Dröhnen dringt von den heulenden Sirenen herauf. Das Stadtbild hat strak morgenländischen Charakter: Grosse Palmenanlagen durchziehen das Häusermeer; dazwischen heben sich Denkmäler und Stierkampfarenen heraus; auf beherrschenden Hügeln stehen Kasernen und FOrts; ein mächtiger Viadukt führt in Hinterland. Sechs portugiesische Flieger umkreisen mit donnernden Motoren in kühnen Schleifen das Schiff. Ein Kampfflugboot fährt kurz Attacke und rutscht knapp unter dem Schiff durch. Wir machen eine grosse Schleife ein zweites Mal entlang. Auf den freien Plätzen winden Schwärme von Menschen in heller Begeisterung. Lissabon zählt zu den schönsten Städtebildern der Welt und soll nur von Rio übertroffen werden."

Kaum hatten die Fahrgäste Zeit, alle Eindrücke in sich aufzunehmen, da ging es auch schon weiter nach Süden, entlang der zerklüftete Atlantikküste. 

Plötzlich blieb einer der Motoren stehen. Die Propellerwelle hatte angefangen zu vibrieren und einen Riss bekommen. Glücklicherweise war eine Ersatzwelle an Board, so dass Sie während der Fahrt ausgewechselt werden konnte. Für diese Reparatur war es nötig, den Propeller der betroffenen Gondel abzunehmen. Max Schirmer beobachtete das gewagte Manöver vom Fenster der Kielflosse aus:

"Mit Todeserachtung schweben die Monteure, unser Fahrmeister Grözinger allen voran, am Stricken hinter der Gondel in freier Luft un verrichten die schwere Arbeit. Auf Kriegsfahrten so oft bewährter Schneid erringt auch hier den Sieg über Tücke des Objekts, die Motoren springen an, ein weiterer ist durch den Austausch wieder gewonnen, so dass das Schiff nun wieder flotte Fahrt aufnehmen kann."

Während die Besatzung gespannt dem halsbrecherischen Tun über 400 Meter über den Meer schwebenden Kameraden zuschaute, sassen die Passagiere gemütlich beim Mittagessen und bemerkten nichts von alledem. Sie erlebten eine wundervolle und ungestörte Fahrt. Ein Abwechslungsreiches Panorama zog vor ihren Augen vorüber: Sevilla, die herrliche Stadt im fruchtbaren Tal des Guadalquivir mit seiner kreisrunden Stierkampfarena, die riesigen Salzgewinnungsanlagen bei San Fernando, die Nordwestspitze von Afrika mit den Städten Tanger un Tetuan, und im letzten Abendlicht dann Màlaga mit den schneebedekten Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund.
Die Nacht über fuhr das Luftschiff bei klaren Sternenhimmel und Vollmond entlang der spanische Ostküste und erreichte gegen Morgen den Golf von Lion. Von dort aus machte es noch einen Abstecher an die Riviera, kehrte durch die Täler der Voralpen den Weg abkürzend, wieder zurück nach Friedrichshafen, wo die 5400 Kilometer lange Fahrt am späten Abend des 25. April endete