Sonntag, 29. September 2019

Brunch ride on board of the famous Red double arrow «Churchill»

Wo er auftaucht, wird er bewundert: Seit der Landesausstellung 1939 begeistert der legendäre Rote Doppelpfeil «Churchill». 

Der legendäre Zug wurde speziell für die Schweizerische Landesausstellung von 1939 konstruiert. 1946 kutschierte er Winston Churchill von Genf nach Zürich, wo der Staatsmann am 19. September in der Aula der Universität Zürich seine berühmte Europa-Rede hielt: «Let Europe Arise!» Lasst Europa entstehen. Seither heisst dieser Zug, der letzte von einst drei Roten Doppelpfeilen, im Volksmund «Churchill».

«Churchill» ist das älteste Streckentriebfahrzeug der aktiven SBB-Flotte und pro Jahr etwa 60-mal auf Sonderfahrt unterwegs. Mit seinen 80 Jahren ist er aber auch schon ein Oldtimer, der auf steilen Strecken arg ins Schnaufen kommt.

Deshalb wird er vorzugsweise in der Ostschweiz eingesetzt. Ein ideales Gebiet, wie Mohler findet. «Dort gibt es wunderschöne Nebenstrecken, bei denen auch einmal ein Fotohalt eingelegt werden kann.» Höhepunkte seien jeweils spektakuläre Aussichten auf den Rheinfall. 

Gefahren wird «Churchill» von Lokführern mit Spezialausbildung, die auch über technisches Know-how verfügen. Wenn der «alte Herr» nämlich kränkelt, müssen sie schon mal selbst zum Schraubenzieher greifen. Die SBB-Werkstätten sind nur bedingt für solche Patienten eingerichtet, und diese Ersatzteile sind nicht immer an Lager.

Der Rote Doppelpfeil ist mit Bar und einer Küche ausgerüstet – und mit Aschenbechern. Ihrer hat sich der passionierte Zigarrenraucher Churchill bestimmt bedient – und sich dabei, wie kaum vermeidbar, wegen des zurückfallenden Deckels einen Finger eingeklemmt.

Die ab 1935 in Betrieb genommenen Roten Pfeile zeigen im Übrigen, dass auch Flops Erfolgsgeschichten schreiben können. Die knallroten Triebwagen mit integriertem Führerstand waren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h, die übrigens stolz und analog im Innern angezeigt wurde, viel zu schnell für das damalige Schweizer Bahnnetz. Pfeilschnell eben.

Und sie waren für Linien mit niedrigem Verkehrsaufkommen, vorab den Regionalverkehr, vorgesehen. Dieser boomte jedoch nach dem Krieg. So wurden sie bald viel zu klein und durch Leichtschnellzüge ersetzt, die zu Kompositionen zusammengesetzt werden konnten.

Manche ältere Herren erinnern sich zwar noch, dass sie im Roten Pfeil in den Aktivdienst fuhren. Das sind wohl eher bange Erinnerungen. Doch der Rote Pfeil fand seine Bestimmung im Ausflugsverkehr. So erzählen ältere Herrschaften meist von fröhlichen Sonderfahrten.