Samstag, 1. Februar 2020

Zeppelin Dinner Teil 4. Die Weltfahrt des LZ-127 Graf Zeppelin (7. bis 29. August 1929)

Zweieinhalb Monate lag LZ-127 nach der Beinahe Katastrophe über Frankreich in der Werft, bis man die Ursache für die rätselhaften Motorschäden gefunden und behoben hatte. In der Zwischenzeit ging Eckener daran, sein ehrgeiziges Projekt vorzubereiten. Er plante nicht geringeres als eine Fahrt um die Welt. Bislang wurde die nördliche Erdhalbkugel erst einmal von einem Luftfahrzeug umrundet. Ein amerikanisches Flugzeug hatte diese Pionierleistung mit 69 Zwischenstops bewältigt. Mit der geplanten Weltfhart des Graf Zeppelin sollte die Verwendungsmöglichkeit des Luftschiff in allen Klimazonen und unter verschiedensten Wetterverhältnissen erprobt werden. Eckener spekulierte darauf, mit diesem Unternehmen die Reichweite des Luftschiffes und damit seine Überlegenheit gegenüber dem Flugzeug unter Beweis zu stellen. Bei dieser Gelegenheit konnte zugleich welteweit Werbung für das Verkehrsmittel Zeppelin gemacht und ausserdem wertvolle Erfahrung in metereologischer und navigatorischer Hinsicht gemacht werden.

Technisch war die Fahrt ohne weiteres durchführbar, denn unterwegs standen zwei Landeplätze in zwei Kontinenten zur Verfügung, die Luftschiffhallen in Kasumiga Ura bei Tokio und in Lakehurst bei New York. Probleme bereitete hingegen die Finanzierung der Fhart. Die Haltung der deutschen Regierung gegenüber der Luftschiffahrt war trotz grosser Resonanz in der Öffentlichkeit immer noch äusserst distanziert, und so war von dieser Seite nicht viel zu erwarten. Aus eigener Kraft ware die hohen Kosten für eine derartige Reise aber kaum aufzubringen. Da kam überraschend ein Angebot von Seiten des einflussreichen amerikanischen Zeitungsbesitzer Randolph Hearst. Er erbot sich, für die weltweite Monopolberichterstattung rund Zwei Drittel der Fahrkosten zu finanzieren. Eckener musste dieses Angebot zu seinem grossen Bedauern ablehnen, da er unmöglich die deutsche Presse von der Bordberichterstattung ausschliessen konnte. Schliesslich war der Bau des Luftschiffes Graf Zeppelin zu einem grossen Teil mit Spendengeldern der deutschen Bevolkerung finanziert worden.. Darauf hin ermässigte Hearst sein Angebot auf 100.000 Dollar, während Eckener zusätzlich mit drei deutschen Zeitungsverlagen einen Vertrag über 50.000 Mark abschloss. Damit war die Hälfte der Kosten gedeckt. Die andere Hälfte wurde teilweise aus den Einnahmen von Fahrkarten an einige Passagiere gedeckt, die aus privaten Interesse an der Fahrt teilnahmen, vor allem aber durch den begeisterten Einsatz von Philatelisten, die für den Transport von Post auf dieser historisch bedeutsamen Fahrt hohen Summen ausgaben.

DIe Weltumrundung sollte in östlicher Richtung geschehen. Als Reiseroute wählte Eckener den Weg über das mittlere Russland und Sibirien bis Jakutsk, um dann über das circa 2000 Meter hohe Stanowoi-Gebirge bei Port Ajan in das Ochotskische Meer zu gelangen. Von hier aus wollte er nach Süden, entlang der japanischen Inser Sachalin, nach Tokio fahren. In Tokio war dann ein Zwischenstop vorgesehen, um neue Betriebsmittel für das Luftschiff aufzunehmen. Die nächste Etappe sollte über den Stillen Ozean nach LOs Angeles führen, wo ein weiteres Zwischenstop geplant war, um dann den nordamerikanischen Kontinent bis New York zu überqueren und über den Atlantik wieder nach Hause zu fahren.

Da Hearst den grössten Teil der Fahrkosten trug, konnte er bestimmte Forderungen stellen. So verlangt er, dass die Fahrt in NEw York beginnen und enden sollte. Auf diese Weise gab es nun gewissermassen zwei Weltfahrten: die amerikanische von New York bis New York und die deutsche von Friedrichshafen bis Friedrichshafen. Die auf den ersten Blick etwas unbequeme Forderung Hearst hatte jedoch auch einen grossen Vorteil, denn die Atlantiküberquerung bot die Gelegenheit, die neuen Motor vor Antritt der Weltfahrt noch einmal gründlich zu erproben.

Am 1. August 1929 startete das Graf Zeppelin also zu seiner zweite Fahrt über den Atlantik, um vier Tage später in Lakehurst, dem Ausgangspunkt seiner Reise um die Welt, einzutreffen. Wieder hatte das Luftschiff gegen stürmische Westwinde zu kämpfen und benötigte für die überfahrt volle 95 Stunden. In Lakehurst wurden die ersten Teilnehmer der Weltfahrt an Bord genommen, darunter Charles E. Rosendahl, der Kommandant des amerikanischen Luftschiffes Los Angeles, die bereits mehrfach zeppelingereisten Journalisten Lady Hay und Karl von Wiegand von der Hearst-Presse, sowie der Berliner Bildreporter Robert Hartmann.Der Polarforscher Hubert Wilkins und der Berichterstatter des Scherl-Verlages, Heinz von Eschwege-Lichberg, sowie der amerikanische Journalist Joachim Rickard waren schon auf der Hinreise von Friedrichshafen nach Lakehurst an Bord gegangen, um den begeisterten Empfang mitzuerleben, den Amerika dem Luftschiff wiederrum bereitete.

Nach dreitagige Liegezeit in der Luftschiffhalle von Lakehurst erfolgte der Start zur ersten Etappe der grossen Reise um den Globus, über den Eckener folgendes berichtet:

"Unter grossem Zulauf von Zehntausenden von Neugierigen ging am späten Abend des siebenten August der Aufstieg zur Weltfahrt vor sich. Wir machten eine Abschiedsschleife über New York, das mit Milionen von Lichtern sinnberückend herrlich zu uns hinaufstrahlte, dann verschlag uns das Dunkel einer etwas diesigen Nacht. Wein wurde aufgetischt, und wir tranken in der behaglichen Kabine ein Glas auf das glückliche Gelingen der fahrt, ehe man sich schlafen legte. Die Schreibmaschinen der Bericherstatter aber klapperten fast die ganze Nacht hindurch, ein Ton der uns nun tagelang ständig in den Ohren lag. Denn was alles sollten wir erleben!"

Die Fahrt über den Atlantik war nun schon beinahe Routine geworden und bot nichts Neues. Einem Tief südlich von Neufundland, das dem Schiff anfänglich mit wechselnden Winden und schlechten Wetter zu schaffen machte, wich es weiter nach Süden aus und kam so in den Bereich eines kräftigen Schiebewindes, der die Fahrt beschleunigte. Nach nur 55 Stunden landete Graf Zeppelin um die Mittagszeit in seinem Heimatort Friedrichshafen, wo er während der folgenden fünf Tage noch einmal gründlich gewartet wurde. Dann startete er am 15, August um 4.35 Uhr zum zweiten und interessantesten Abschnitt der Reise, ging es doch jetzt über Gebiet, in das vermutlich bisher noch kein Mensch vorgedrungen war.

In Friedrichshafen waren mehrere Vertreter der deutschen, frnazösichen und japanischen Presse zugestiegen. Zusammen mit den Amerikanern, einem russischen, einem schweizerischen und einem spanischen Fahrgast war jetzt eine internationale Gesellschaft an Bord.

Kaum hatte sich der Zeppelin in die Luft erhoben, da begannen die Journalisten, Fotografen und Kameramänner auch schon eifrig ihr Werk. Vor allem die Letzteren verbreiten hektisches Treiben an Bord, wie Max Geisenheyner, der für dei Frankfurter Zeitung mitreiste berichtet:

"Die Filmleute und Photographen renner wie aufgeschrekten Hasen durchs Schiff. Die Sonne hat es Ihnen angetan, Eckener rückt schon aus, wo er kann. ABer die Stative auf ihren langen drei Beinen laufen überall hinter ihm her. Er möchte gerne seine Ruhe, aber die armen Photographen möchten Bilder haben. Alles wird photographiert. Das erste grosse Platten-und Filmfieber ist ausgebrochen. Die Berichtenden werden an Ihre Schreibmaschinen gesetzt, die Nichtstuer an den Frühstücktisch, die Landkartenwütigen vor die aufgehängten Grosskarten. Der Koch in weisser Mütze und weissem Dress schneidet Schinken auf, serviert Eier und Früchte. Die Filmleute drehen und schreien in Ergänzung einer Kapelle "Humdada, Humdada", damit die Passagiere ein wenig in Bewegung kommen und der Film so aussieht, als hätten die Gefilmten gar nichts davon gewusst, dass sie auf die Leinwand kommen sollten"

Unterdessen steuerte das Luftschiff über Ulm, Nürnberg und Leipzig nach Berlin, wo es langsamer Fahrt über die "Linden" zog, um sich von der Hauptstadt zu verabschieden. Dann setze es seinen Weg über Stettin, Danzig und Königsberg nach Russland fort, dessen Grenzen am Abend des ersten Reisetag überquert wurde.

Der direkte Weg hätte nun genau östlich über Moskau geführt. Aufgrund eines Tiefdruckgebietes über den Kaspischen Meer, das starke Ostwinde bis in die Gegend von Moskau mit sich brachte, schien es Eckener jedoch ratsam, um Brennstoff zu sparen, einen nordöstlicheren Kurs einzuschlagen und dem Tiefausläufer auszuweichen. Erst südlich von Leningrad schwenkte das Luftschiff nach Osten. Die erste russische Stadt, die die Reisenden am frühen Morgen des 16. August passierten, war Wolgoda, eine fächeformig angelegte Stadt, deren zahlreiche goldene Kirchenkuppeln in den strahlenden Morgensonne aufleuchteten. Gegen Mittag näherte sich das Luftschiff dem Ural, dem Grenzgebirge zwischen Europa und Asien. Ausgedehnten Wälder breiten sich vor den Augen der Betrachter aus. Doch bald verschleierten dicke Rauchwolken, die von gewaltigen Waldbränden herrführten, für längere Zeit die Sicht. Dann kam die Tundram ein nicht enden wollendes, ödes Sumpfgebiet, das such abweisend und furchterregend in seiner Einsamkeit über tausende Kilometer erstreckte. Für Max Geisenheyner schien das die leibhaftige Hölle zu sein:

"Die Tundren, das war die Hölle, die wir gesehen haben, und die höllischen Erscheinungen haben uns Tausende von Kilometern weit begleitet. Sie standen höhnisch wartend tage und ncähtelang zu beiden Seiten des Schiffes. Trübe Wasserspiegel zwischen trügerischem Algengewächs. Als wären hier in der Urzeit Riesenmammuts über die Erde bis zum Horizont gestampft und hätten die Spuren ihre plumpen Füsse zurückgelassen. Graublaue Wolkenwände ringsum. Im Westen ein ziegelroter Abendwolkenbalken. Die Sonn eine matte Scheibe ohne Leuchtkraft. Alle Flächen schmutzig und schwarz. Stumpf und trübe die Wassertümpel. Die Algen giftiger Grünspan. War es nicht überhaupt ein grotesker Einfall des menschlichen Geistes, über diese Wüstenei dahinzufahren? War es nicht eine Frechheit, ein Versuchen der ewigen Geschicke?`Hätten wir in einer dieser Nächte notlanden müssen, ich glaube, keiner von uns wäre wieder zurückgekommen. Lautlos hätten uns die Sümpfe verschlungen"

Doch während die einen solch schwarze Gedanke plagten, die machem sogar den Appetit verschlungen, nahmen andere das Unheimliche und doch Grossartige dieser nahezu unerforschten Gegend gar nicht wahr. Sie vergnügten sich bei Musik und Tanz, beim Kartenschreiben, Lesen oder Plaudern.

Unterdessen zog das Luftschiff in ruhiger Fahrt immer weiter ostwärts, überquesrte den Jenissej und folgte dann dem Lauf der windungsreichen Tunguska, um nach Jakutsk an der Lena zu gelangen. Das Luftschiff war inzwischen bis zum 64. Grad der nördlicher Breite gelangt und überquerte nun die Längengrade in so rascher Folge, dass alle sieben Stunden die Uhr um eine Stunde vorgestellt musste. Das wiederum führrte zu immer kürzeren Abständen zwischen den Mahlzeiten, so dass selbst Gäste mit gutem Appetit beinahe in Streik traten, wenn sie schon wieder essen sollten.

Am virten Tag der zweiten Reiseetappe näherte sich das Luftschiff dem Stanowoi Gebirge, das es überqueren musste, um ins Ochotskische Meer zu gelangen. Wieder einmal hatte der Zeppelin eine kritische Situation zu bestehen, denn das Kartenmaterial für dieses Gebirge war reichlich ungenau, und die Luftschifführer wussten nicht, ob die Höhe des Passüberganges mit 1500 Meter korrekt angegeben war. Man folgte einen schmalen Tal, das immer enger und die Felswände zu beiden Seiten immer steiler wurden. Das Schiff war bereits auf 1800 Meter gestiegen und man rechnete schon damit, wertvolles Gas abblasen zu müssen, asl es schliesslich in denkbar knappem Abstand über den Pass hinweggglitt.

Der asiatische Kontinent war überquert, und nun lag in strahlendem Blau tief unter den Reisenden das Meer. Geisenheyner hat disen Moment in seinem Reisebericht festgehalten:

"Da hinter den zerklüfteten Gebirgswänden eine weite blaugraue Fläche: das Meer! ... in uns jubeln die Herzen jener zehntausen Griechen, die einst nach langem, strpazenschwerem Märche das schwarze Meer erblickten und "Thalatta, thalatta!" riefen. Unser Eckener aber hob die Arme empor und rief freudig bewegt; "Das ist Luftschifffahrt!" Als seien wir aus höllischen Gefilden in paradiesische geglitten, schäumen nach wenigen Minuten rechts und links phäakische Küste um steil abfallende weissen Schaum and den Strand rauschen, sehen die Klarheit des Wassers, kleine Fischerhäuser, kleine Boote und eine Robbe, die sich soont. Fahren die Insel Sachalin entlang und haben an der Spitze von Jesso den ersten Japanischen Leuchtturm und dann in Sonnenhelle die ganze Küste. Weit laufen die Felsen ins Meer bis zu kleinen spitzen Ausläufern."

In rascher Fahrt glitt das Luftschiff nach Süden und dtan am 19. August 1929, dem fünften Fahrtag, über Tokio. Wie nicht anders zu erwarten, bereiteten die Japanaer dem Silberschiff aus dem fernen Europa einen begeisterten Empfang. Bald war das Luftschiff von neugierigen Flugzeugen umkreist, aus denen sich Filmkameras und Fotoapparate auf es richteten. Winkende und rufende Menschen drängten sich auf den Strassen und Hausdächern. Schiffe, Autos und Fabriksirenen veranstalten ein ohrenbetäubendes Hupkonzert - kurz - alles war ausser Rand und Band.
Der Aufenthalt in Japan war ausgefüllt mit festlichen Empfängen und Einladugen aller Art. Höhepunkt der Festivitäten war eine Einladung in den Palast des Mikado, des japanischen Kaiser, der selber jedoch nicht anwesend war. Die japanischen Gastgeber waren bemüht, ihren Gästen in der kurzen Zeitspanne so viel wie möglich von ihrem Land zu zeigen, und überall wurden die Weltreisenden herzlich begrüsst. Die Zeppelinfahrer ihrerseits waren fasziniert von der ihnen vollkommen neuen japanischen Kultur, in die sie so unvermittelt versetzt wurden.

Viel zu schnell verging die Zeit und schon mussten sich die Passagiere und die Besatzung bereit machen für die Weiterfahrt. Beim Ausfahren des Luftschiffes aus der Halle verhakte sich eine der Laufkatzen, an denen das Schiff vertäut war. Durch den plötzlichen Ruck schlug die hintere Maschinengondel auf dem Boden auf, und drei ihrer Gondelstreben knickten ab. Zum Glück war die Reparatur an einem Tag zu schaffen. Doch nun konnte das Schiff nicht starten, weil ein quer zu Halle wehender Wind das Ausfahren verhinderte. Endlich, am 23. August, erfolgte der Aufstieg und ging dieses Mal ohne weitere Hindernisse von statten.

Die dritte Etappe der Weltfahrt führte von Tokio über den Stillen Ozean nach Los Angeles. Der Stille Ozean machte seinem Namen alle Ehre. Die Fahrt verlief ohne zwischenfälle. Da die Sicht die meiste Zeit durch tiefhängende Wolken und dichen Nebel versperrt war, war es für die Passagiere beinahe ein bisschen langweilig. Die einzige Sensation war das Überschreiten der Datumsgrenze, so dass man an Bord des Luftschiffes zweimal den 24. August erlebte. Diese Tastsache sorgte für einige Verwirrung hinsichtlich der Zeitangaben, und so werden bis heute unterschiedliche Daten für die Landung in Los Angeles angegeben. Gemäss Bordbericht erreichten die Resisenden am Spätnachmittag des 25. August die Westküste Amerikas. Der Anblick der Küste löste nach monotonen Fahrt über das Meer grosse Begeisterung, ja fast schon Erleichterung aus:

"Das Schiff hallt wider von dem Rufe "Land in Sicht!" Es ist Sonntag und kurz vor vier Uhr nachmittags. Fern über das blaue Meer leuchtet die kalifornische Küste. Wir sind in glücklicher Stimmung. Unser spanischer Hidalgo, Megias, hat allen Sekt aufgekauft und das ganze Schiff  muss beim Annblick der Küste anstossen. Kurz nach fünf Uhr San Francisco. Wir ziehen in sechshundert Meter Höhe am stahlblauen Himmel dahin. Dunkelrötlich schimmert der Horizont. Die Felsenküste mit den ersten Wohnstätten sieht aus der Höheh aus wie ein angeschnittene runde Geburtstagstorte. Die Häuser sind wie kleine, ziegelrote Bonbons daraufgelegt. im Meer die zahllosen Kriegsschiffe Spielzueg in einer Badewanne. und dann, auf der anderen Seite des Felsens, die Wolkenkratzer gleich hochgestellten Dominosteinen. Salutschüsse, Heulen der Sirenen, Pfeiffen der Dampfer. Ein Höllenlärm ist losgebrochen. Ein Schwarm von mehr als hundert amerikanischen Fliegern, die Fugzeuge in gelben, blauen und roten Farben, umschwirrt uns. Das Schiff zieht eine grosse Schleife über der Stadt, dem Goldenen Tor zur Bucht von San Francisco und über den Hügelketten von Oakland. Die Stadt, das Meer, die Lanschaft im Licht der Abendsonne ein Panorama von hinreissender Schönheit. Unsere jungen amerikanischen Offizieren an Bord brechen debi diesem Anblick in wilde Naturlaute des Entzückens aus. Und wir alle brüllen mit, um unserem übervollen Herzen Luft zu machen" (Geisenheyner)

Die Nacht über fuhr das Luftschiff entlang der kalifornische Küste und landete in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages in Los Angeles wo es lediglich für einen Tag am dortigen Ankermast lag, um neue Betriebsmittel aufzunehmen. Abends wurden Besatzung und Passagiere der Weltfhart von ihrem Hauptsponsor Hearst bei einem festlichen Bankett, an dem auch zahlreiche Filmstars von Hollywood teilnahmen, gefeiert. Es gab Graf Zeppelin Melone "Sir Hubert", Zwiebelsuppe, Rosendahl, Forellen in Butter, Hearst junges Huhn, Eckener Salat von Wiegand, Biscuit Lady Hay und Kuchen Schiller. Es war ein grossartiges Fest mit feierlichen Reden über die Fortschritte der Technick und den völkerverbindenden Verkehr. Aber es war auch ein sehr kurzes Fest, weil Eckener bestimmt hatte, das man um halb zehn zum Luftschiffhafen aufbrechen müsse.

Der Start gestaltete sich recht schwierig, denn das Schiff hatte in den heissen Nachmittagsstunden Gas abgeblasen und hatte nicht genügend Auftrieb. Kurz entschlossen liess Eckener einige Besatzungsmitglieder, alles überflüssige Wasser, entbehrlichen Proviant und Ersatzteile zurück, und erreichte so tatsächlich, dass das Schiff Langsam zu steigen begann. Doch in zirka 40 Meter kam es eine wärmere Luftschicht und wurde weder schwer. Eckener entschloss sich jetzt zu einem riskanten Manöver:

"Alle Maschinen äusserste Kraft voraus! und unmittelbar über, fast auf dem Boden Fahrlauf zu nehmen, um dann allmähnlich in die wärmere Luft hinaufzukommen. So geschah es, und es schien glücklich zu gehen. Da aber während wir mit der Achter-Gondel in 5 Meter Höhe über den Boden hinrasten, tauchte plötzlich vor uns eine Starkstrohmleitung auf, die wenigstens 20 Meter hoch quer über den Platz lief! Über die mussten wir hinweg! Also musste etwas stärkere Höhensteuer gegeben werden, um Höhe zu gewinnen. Die Folge war, dass das Hinterende des Schiffes mit der unteren Stabilisierungsfläche den Boden berührte. Aber das musste in Kauf genommen werden, denn in die Straktrohmleitung durften wir unter keinen Umstände hineinfahren. Es klopfte noch einmal hinten auf dem Boden auf, aber dann waren wir hoch genug und kamen in etwa einem Meter Abstand über die Leitung hinweg. Eine ungeheure Spannungslösung befreite Herz und Brust, aber es lag mir noch lange wie Blei in den Gliedern. Denn was hätte passieren können!"

Der Stabilisierungsfläche war glücklicherweise nicht viel passiert. Es war nur ein unbedeutender Träger eingedrückt worden, so dass die Funktionsfähigkeit des Ruders nicht beeinträchtigt war und die Fahrt bedenklos forgesetzt werden konnte.

Die Route dieser letzten Etappe der Weltfahrt führte das Luftschiff zunächst nach Süden über San Diego, um die südlichen Ausläufer der Rocky Mountains zu umgehen, und weiter über Yuma und El paso, durch die Staaten Texas, Oklahoma und Kansas nach Chicago und von dort schliesslich nach New York.

Meterologisch gesehen stand jetzt die schwierigste Etappe der Reise bevor, denn das Klima über dem nordamerikanischen Kontinent war unter den Luftfahrern wegen besonders starken Vertikalturbulenzen, Gewitter, Hurrikans und Tornados berüchtigt. Wenige Jahre zuvor war deswegen ein Starrluftschiff der US Navy, die Shenandoah, in Ohio abgestürzt. Einer der Überlebenden dieser Katastrophe, Kommander Charles E. Rosendahl, nahm jetzt als Passagier an der Weltfahrt des Graf Zeppelin teil.

Bald schon sollten die Reisenden erfahren, was dieses kontinentale Klima zu bieten hatte:

"Im Morgengrauen kamen wir über die Arizonagrenze. Es war ein prachtvoll klarer Tag, und wir konnten weithin nach Süden in den Golf von California und Mexico hineinschauen, wo sich ein Gewitter zu entwickeln schien. Die ungemein sichtige Luft vor uns über den Wüstenstrecken von Arizona war in der Morgenkühle vollkommen stabil, und es war ein Genuss, in dieser ruhige Atmospähre dahinzusegeln und in unbegrenztee Weiten zu schauen, besonders nach Norden hin, wo der gewaltige Colorado River aus den Schluchten des Gebirges herauskommt. Die Sonne tat nun allmählich im Aufsteigen ihr Werk und erhitzte die Bodenluftschichten. Diese stiegen auf, und das Schiff begann zu tanzen.Es war anfang nicht sehr merklich, aber gegen Mittag wurde es so stark, dass das Geschirr auf dem Esstisch lebendig zu werden begann und Schlingerleisten angebracht werden mussten, wie auf einem Ozeandampfer in schwerer See. Um 200 bis 300 Meter wurde das Schiff von aufsteigenden Luftmassen emporgeschoben, um dann in entsprechenden absteigenden Strome etwas ebenso weit wieder nach unten getragen zu werden. Es war nicht behaglich! (Eckener)

Gegen Abend kamen die Reisenden nach El Paso an der Grenze zu Mexico. Damit hatte das "Schaukelpferd-Reiten" wie Eckener es nannte ein Ende. Das Luftschiff schlug einen nordöstlichen Kurs ein und fuhr jetzt ruhig und von ungünstigen Wetter unbehellig weiter.

Während Eckener de Fahrt quer durch Nordamerika als eines seiner eindruckvollsten Erlebnisse schildert, waren manche Passagiere, die sich etwas mehr Wildwestromantik versprochen hatten eher enttäuscht:

Was hatte ich mir unter Nordamerika nicht alles vorgestellt. Wir überquerten etwa 13 Staaten. Aber die Fahrt war eintönig, und wenn nicht hin und wieder einige Wirbel das Schihh gepackt und während des Essen ein Teller mit Suppe auf meine Hose gekippt wäre, so wäre sie sogar langweiliger gewesen. Wir fuhren mehr als einen ganzen Tag an der Pacificbahn entlang. Wie eine schmale unendliche schwarze Leiter lagen Geleise und Querbalken in dem grauen Sand. Der Wind fegte ständig STaubwolken empor. Während da unten mörderische Hitze brütete, konnten wir in Hemd und Hosen am Tisch sitzen.Unsere Fahrt war eine Luxusbeförderung der Bahn gegenüber. Nur einen Luxus durften wir uns nicht gestatten, den des Waschens. Denn um besser hochzukommen, hatte Flemming über dem Flugplatz von Los Angeles das ganze Wasser auslaufen lassen. Aber ich wusste mir zu helfen. Ich entdeckte die Blumenwase von Lady Drummond-Hay, warf die Blumen aus dem Fenster und hatte so ein Liter Wasser für die Reise erobert. Das war doch wenigstens noch ein bisschen von jener Wildwest-Romantik, die sich auf der Erde nicht zeigen wollte. Da standen zwar mächtige Steppenkakteen, da gab es Lämmergeier und schliesslich sogar ein paar Pferde, die so taten, als ob sie wild seien. Aber keinen Cowboy, keine Pistolenschüsse, keine Indianerzelte, keine Bären und Wölfe. Steppe und immer wieder Steppe" (Geisenheyner)

In allen grösseren Städten, welche das Luftschiff passierte, wurde es mit Begeisterung und Jubel empfangen. Oklahoma, Kansas City, Davenport, Rock Island, überall wurden die Weltfahrer schon ungeduldig erwartet. ABer der Empfang, der Ihnen in Chicago bereitet wurde, übetraf alle Erwartumgen. In Bezug auf Lärmerzeugung und sonstige Freudenäusserungen stellten die Bewohner der Stadt unbestritbar einen Rekord auf. Jeder Einzelne bemühte sich, mit Sirenen, Hupen, Pfeifen, Böllerschüssen und was sonst gerade zur Hand war den Anderen möglichst noch zu überbieten. Dazu erstrahlte das gesamte Panorama im letzten Licht der Abendsonne in festlicher Beleuchtung.

Über den Michigansee hinweg fuhr das Luftschiff jetzt zu den Fordwerken in Detroit und weiter am Erisee entlang nach Cleveland. Um mitternacht stand es über Akron, dem Sitzt der Zeppelin.Goodyear Corporation, wo gerade die Starrluftschiffe Akron und Macon für die US Navy gebaut wurden. Dann in den frühen Morgenstunden des 29. August, war endlich das Ziel der Weltfahrt erreicht. Nach einigen Schleifen über der Milionenstadt New York und der Freiheitsstatue, die mystisch aus dem Morgennebel ragte, wurde Graf Zeppel von der routinierten Haltenmannschaft in Lakehurst in Empfang genommen. Die Weltfahrt war damit nach 21 tagen glücklich und erfolgreich beendet



























































































Keine Kommentare:

Kommentar posten